Zwei Wege zur Antwort: Gedächtnis oder Live-Suche
Ein KI-Assistent kann auf zwei Arten antworten. Aus dem Gedächtnis: Das Sprachmodell wurde mit Texten aus dem Internet trainiert und kennt daher viele Firmen. Dieses Wissen hat aber einen Stichtag und kann veraltet oder lückenhaft sein.
Mit Live-Suche: Der Assistent stellt selbst eine oder mehrere Suchanfragen, ruft passende Seiten ab und schreibt daraus seine Antwort, meist mit Links zu den Quellen. OpenAI beschreibt das für ChatGPT so: Die Frage wird in Suchanfragen übersetzt, die Ergebnisse werden gelesen, die Antwort nennt die Quellen. Bei Fragen wie „Welcher Steuerberater in Graz betreut Ärzte?“ ist die Live-Suche der Normalfall.
Was die Anbieter selbst dazu sagen
- OpenAI (ChatGPT): Für die Suche nutzt OpenAI einen eigenen Crawler namens OAI-SearchBot. Wer ihn in der robots.txt aussperrt, erscheint nicht in den Suchantworten von ChatGPT.
- Google (AI Overviews, AI Mode, Gemini): Google nennt keine Zusatzanforderungen. Eine Seite muss in der Google-Suche indexiert sein und mit Textauszug erscheinen dürfen. Für die Antwort stellt Google mehrere verwandte Suchanfragen zu Unterthemen („query fan-out“).
- Microsoft (Copilot): Antworten mit Webbezug stützen sich auf Suchergebnisse von Bing und verlinken die verwendeten Seiten.
- Perplexity und Anthropic (Claude): Beide betreiben eigene Such-Crawler (PerplexityBot, Claude-SearchBot) und Abrufe im Auftrag der Nutzer (Perplexity-User, Claude-User).
Gemeinsam ist allen: Der Assistent kann nur nennen, was er findet und versteht. Wie genau er unter mehreren passenden Anbietern auswählt, legt keiner der Anbieter offen.
Was wir in unseren Messungen beobachten
Die folgenden Punkte sind unsere eigenen Beobachtungen aus dem KI-Sichtbarkeits-Check, keine offiziellen Regeln:
- Assistenten zitieren nicht nur Firmen-Websites, sondern auch Verzeichnisse, Bewertungsportale, Kammer- und Behördenseiten und App-Stores. Was dort über Sie steht, fließt mit ein.
- Ähnliche Namen werden verwechselt. Wir haben gesehen, dass ein Assistent ein Angebot mit einem anderen ähnlichen Namens gleichsetzte.
- Dieselbe Frage kann Minuten später anders beantwortet werden. Eine einzelne Antwort ist eine Stichprobe, kein Ranking.
- Neue Websites tauchen in KI-Antworten oft erst auf, wenn Suchmaschinen sie erfasst haben. Das dauert Tage bis Wochen.
Was Sie beeinflussen können
Diese Faktoren entscheiden mit, ob ein Assistent Sie finden und richtig einordnen kann:
- Erreichbar sein: Such-Crawler nicht aussperren – weder in der robots.txt noch durch Bot-Schutz beim Hoster. Mehr dazu im Ratgeber Hosting-Fallen.
- Eindeutig sein: Firmenname, Anschrift und Telefon überall gleich schreiben, auf der Website wie in Profilen und Verzeichnissen.
- Konkret sein: Schwerpunkte, Zielgruppen und Orte klar benennen. „Steuerberatung für Zahnarztpraxen in Graz“ hilft mehr als „umfassende Beratung“.
- Fragen beantworten: Die Fragen, die Ihre Kunden wirklich stellen, auf der Website direkt beantworten – mit eigener Seite je Hauptleistung.
- Maschinenlesbar sein: strukturierte Daten nach schema.org, die genau zum sichtbaren Text passen. Siehe llms.txt, robots.txt und strukturierte Daten.
- Gefunden werden: Website bei Google Search Console und Bing Webmaster Tools anmelden. Siehe Warum Bing zählt.
Was niemand kann
Niemand kann zusagen, dass ein KI-Assistent Ihr Unternehmen nennt oder an erster Stelle nennt – auch wir nicht. Und eine Nennung ist noch keine Anfrage. Seriös ist: die Voraussetzungen verbessern und mit denselben Fragen nachmessen, ob sich etwas bewegt. Wie wir das machen, steht unter So messen wir.
Was davon auf Ihr Unternehmen zutrifft, prüfen wir im KI-Sichtbarkeits-Check konkret: an Ihrer Website, mit den Fragen Ihrer Kunden und im Vergleich mit Ihren Wettbewerbern.
